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Wenig Bewegung im internationalen Transport

Trotz des Grundsatzentscheids im europäischen Parlament zugunsten des Velotransports in Zügen steigen die Selbstverlademöglichkeiten nicht markant. Aber bei der Schwarzwaldbahn und im Centovalli gibts Licht am Horizont. Johannes von Arx

Wenn der nasskalte Frühling wie in den letzten Jahren längere Zeit anhält, zieht es Velofahrende in den fernen Süden. Und für all jene Frühlingsflüchtlinge gibts seit zwei Jahren zwei komfortable Angebote. Täglich fahren die CIS-EuroCitys (nicht zu verwechseln mit den CIS-Neigezügen ETR 470) ab Zürich nach Venedig (EC Cisalpino Canaletto) sowie nach Genua/Livorno (EC Cisalpino Cinque Terre). In diesen sanft renovierten, klassischen italienischen Kompositionen fährt je ein Gepäckwagen mit. Darin ha­ben rund zwanzig Velos Platz.
Aber Achtung: Im Verlauf der nächsten Jahre sollen diese Züge durch die sich im Bau befindenden neuen Neigezüge ETR 610 ersetzt werden. In den Neigezügen aber gibts noch keinen sicheren Platz für Velos, denn noch ist nicht entschieden, ob die Ferrovie dello Stato (FS) den Forderungen des EU-Parlaments nachkommen und die neuen Wagen mit Multifunktionsabteilen ausrüsten werden (siehe vj 1/07). Und ob die heutigen, pannenanfälligen Cisalpino-Kompositionen noch vor Erreichen ihres Pubertätsalters (Betriebsaufnahme Herbst 1996) aus dem Verkehr gezogen werden, ist in diesem Zusammenhang Gegenstand von Hoffnung, aber auch viel Spekulation.

Velogrün im Centovalli?
Ein Velostiefkind ist die Centovallibahn. Dort besteht nur auf der italienischen Teilstrecke Domodossola–Re auf drei Regionalzügen bergwärts pro Tag eine Mitnahmemöglichkeit. Doch auch hier besteht Hoffnung: Der Verwaltungsrat fordert von der Direktion der Fart (zuständig für den schweizerischen Teil der Strecke) rasche Verbesserungen. Falls diese unbürokratisch entscheidet, ist es möglich, dass schon dieses Jahr auch auf Locarner Seite das Einstiegssignal für Fahrräder auf Grün geht. Und die Biker-Innen können ja immer wieder anfragen, «stürmen», bitten etc.

Nordischer Sommer
Steigen im Sommer bei uns die Temperaturen Richtung 30-Grad-Marke und in Italien ins Unerträgliche, so streben die Radler vorzugsweise gegen Norden. Und da eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten – dank der brandneuen Doppelstockzüge auf der Schwarzwaldbahn mit einem guten Dutzend Velostellplätzen in allen Wagen. Im Stundentakt fahren sie ab Konstanz (einzelne Züge ab Kreuzlingen) via Singen (Zusteigemöglichkeit ab Zürich/Schaffhausen) ins obere Donautal: Immendingen (nicht alle Züge halten hier), Donaueschingen (Donauquelle), Villingen (mittelalterliche Stadt unweit der Neckarquelle), St. Georgen. Von dort führen – nach einem Katzensprung über den Bergkamm – Radwege durch den Schwarzwald. Dann folgen sich das Gutach-, Kinzig- und schliesslich das Rheintal. Endstation der Schwarzwaldbahn ist Karlsruhe. Die ganze Gegend lohnt eine Entdeckung und eignet sich für preisgünstige Wochenendtrips. Soll die Reise «höher» hinauf gehen, so bietet nach wie vor die Citynightline eine zeitsparende An- und Rückreise für die Ferien im Norden an, neu auch nach Kopenhagen.

Paris–Bâle en vélo
Mit der laufenden Renovation der Lyria-TGV (Zürich–)Bern/Lausanne–Paris verfügen diese über mindestens vier Veloplätze. Zwischen Genf und Paris werden in den TGV vier bis sieben Verbindungen je Richtung mit Veloplätzen eingesetzt. «Sogar die kommende TGV-Est-Verbindungen Basel–Paris haben ab Juni offene Türen für Velos», freut sich Roland Binz vom SBB-Pressedienst.

Beim ICE klemmts noch immer
Düster sieht es hingegen bei der schneeweissen ICE-Familie der Deutschen Bahn aus. Wegen der starken Saisonschwankungen des Velo-Huckepacks liessen sich laut Berechnungen der DB die Investitionen für den Umbau und die Reduktion der Sitzplätze nicht rechtfertigen. Silke Ahrens, Leiterin Services Reisekette/Intermodalität bei der DB Fernverkehr AG, erklärt den Unterschied zum TGV mit seinen Veloabteilen: In den französischen Wagen sei eine nicht mehr benutzte Gastroabstellfläche mit Veloaufhängevorrichtung versehen worden. «Begünstigt worden ist dies, weil dort mangels Fenstern auch keine Sitze installiert werden konnten.» Die ICE-Neigezüge, wie sie zwischen Zürich und Stuttgart verkehren, boten anfänglich eine Verlademöglichkeit. Viele benutzten sie für Radtouren ins Donau- und Neckartal. Doch wegen mangelnder Sitzplatzkapazität wurden wieder Sitze installiert. Die heutigen, siebenteiligen Kompositionen zwischen Zürich und Schaffhausen sind völlig ausgelastet. «Kämen die Veloabteile wieder in diese Züge, so müssten wir sie vermehrt doppelt führen», konstatiert Peter Ackermann von Rheinalp, der Betreibergesellschaft.

http://www.sbb.ch/velo
http://www.bahn.de/fahrrad
http://www.bahn.de/bahnundbike

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