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Räuber und Poli per E-Bike

Drei Mountainbikes gehören seit sieben Jahren zum Park der Dienstfahrzeuge der Stadtpolizei Bern. Sie werden rege benutzt. Jetzt testen die Ordnungshüter in der Bundesstadt sogar Elektrovelos für ihre Dienstfahrten.
 Insider wissen es schon lange: Der freisinnige Polizeidirektor Kurt Wasserfallen gehört zu den praktizierenden Alltagsvelofahrenden in der Stadt Bern. Dass sich sein löbliches Tun nicht unbedingt in einer besonders velofreundlichen Verkehrspolitik niedergeschlagen hat, ist allerdings besser bekannt. Doch Wasserfallens Polizeitruppe hat schon vor einigen Jahren den Vorteil des schnellen und wendigen Gefährts entdeckt und nützt es für verschiedene Einsätze. Nicht nur die Velo-Demos werden regelmässig von radelnden Uniformierten begleitet, sondern man kann ab und zu auch Fahrrad-Patrouillen im Stadtbild beobachten.


Man will die Beamten nicht zwingen
Drei Mountainbikes gehören zum festen Inventar der Polizeiwache Bern Mitte. «Der Vorteil von Patrouillengängen per Velo statt zu Fuss ist, dass die Reichweite und der Radius wesentlich erweitert werden können», stellt der Medienverantwortliche der Stadtpolizei, Franz Märki, fest. Damit könne die sichtbare Präsenz von Uniformierten im belebten Innenstadtbereich effizient erhöht werden. Und radfahrende PolizistInnen sind fürs Publikum greifbarer, sie vermitteln mehr Sicherheit als zwei «Tschugger» im vorbeifahrenden Streifenwagen. Auch in den Quartieren sollen die MTBs vermehrt eingesetzt werden. «Allerdings wollen wir die Beamten nicht zur Benützung der Velos zwingen. Die eingeteilten Patrouillen können freiwillig wählen, wie sie unterwegs sein wollen», führt Franz Märki weiter aus. Deshalb gebe es weder ein Konzept noch eine Statistik für den lautlosen Zweiradeinsatz. Märki hofft zudem, dass die neue Uniformhose, die in den Schaft der Stiefel gesteckt werden darf, die Fahrradbenützung beliebter machen wird. Denn bisher waren der autoritätsuntergrabende Einsatz von Veloklammern oder schwarze Schmierestreifen am Hosenbein dem Velofahren in Uniform wenig förderlich.
Das Uniformproblem hat man hingegen bei den nächtlichen «Krokus»-Einsätzen zur Verhinderung der offenen Drogenszene im Griff. Diese werden nämlich in den blauen Polizeikombis und Stiefeln durchgeführt. Für das geräuschlose und schnelle Auftauchen der Ordnungshüter auf den Drogenumschlagplätzen erwiesen sich die Mountainbikes geradezu als ideal. Die aufgescheuchte und erschreckte Szene stiebt auseinander, und mancher Dealer muss atemlos auf seiner Flucht kapitulieren – wie im «Räuber und Poli»-Spiel.

Testfahrten mit Flyern
Wenig erstaunlich ist deshalb, dass die Burgdorfer BK-Tech bei der Berner Stadtpolizei auf offene Ohren stiess, als sie vorschlug, einmal unverbindlich den Einsatz von der modernen Elektrobikes im Dienstalltag zu testen. Im April präsentierten die Polizisten an ihrem Stand an der BEA-Messe einen Polizei-Flyer – samt Beschriftung und Ausrüstung. Für Hans-Martin Baumann, der als Leiter des Beratungsdienstes Verkehrssicherheit den Messe-Auftritt betreute, ist das auffällige Vehikel vorerst ein Blickfang fürs Publikum. Zusammen mit einem Polizei-Smart repräsentiert es das moderne, trendige Erscheinungsbild der städtischen Sicherheitstruppe. Aber Baumann kann sich durchaus weitere Einsatzmöglichkeiten vorstellen: «Gerade für Dienstfahrten innerhalb der Stadt, zum Beispiel für den Transport von Gerichts- und anderen Akten, könnte sich das Elektrovelo eignen. Auch für Patrouillenfahrten sind die Flyers attraktiv, da die Fahrzeuge die gewünschte Aufmerksamkeit erregen.» Seit Anfang Mai stehen den Berner «Freunden und Helfern» nun die ersten Elektrovelos für eine mehrmonatige Testphase zur Verfügung. Ob sie nachher definitiv zum festen Inventar der Berner Stadtpolizei gehören werden, wird sich weisen.

 


New Ride bringt E-Bikes näher

BernerInnen sollen vermehrt vom Auto auf Elektro-Zweiräder umsteigen. Die Regierung fördert den Einsatz von energiesparenden Fahrzeugen in Gemeinden und Betrieben. Trotz notorischer Budgetknappheit konnte sie dank Bundessubventionen und Sponsorengeldern 120'000 Franken für die Förderung von umweltverträglichen Elektro-Rädern bereitstellen. Zwei Gemeinden gehen mit gutem Beispiel voran: Wohlen hat 114 Vehikel samt Infrastruktur (Tankstellen, Werkstätte etc.) in Betrieb, in Spiez kann die Bevölkerung Elektro-Zweiräder zu günstigen Tarifen mieten und somit eine allfällige Anschaffung prüfen. Die Gemeinde subventioniert den Erwerb von Elektrofahrzeugen durch Private. Das Berner Inselspital vermietet E-Bikes günstig an MitarbeiterInnen.
Treibende Kraft ist das Programm Energie Schweiz, mit dem das Bundesamt für Energiewirtschaft den Energieverbrauch senken will. Ein Drittel der in der Schweiz konsumierten Energie wird durch den Verkehr verbraucht. In den letzten zehn Jahren stieg der Verbrauch um 16,5 Prozent. Gemäss Gesetz müssen die durch den Verkehr verursachten Kohlendioxid-Emissionen bis 2010 aber um acht Prozent tiefer sein als 1990. Ein E-Scooter verbraucht umgerechnet nur acht Deziliter Benzin auf 100 km und verursacht weder Lärm noch Luftschadstoffe. Beim E-Bike liegt der Verbrauchswert noch tiefer. Elektroscooter sind für knapp unter Fr. 5000.– zu haben, E-Bikes ab Fr. 2000.–.
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