
Man will die Beamten nicht zwingen
Drei
Mountainbikes gehören zum festen Inventar der Polizeiwache Bern Mitte.
«Der Vorteil von Patrouillengängen per Velo statt zu Fuss ist, dass die
Reichweite und der Radius wesentlich erweitert werden können», stellt
der Medienverantwortliche der Stadtpolizei, Franz Märki, fest. Damit
könne die sichtbare Präsenz von Uniformierten im belebten
Innenstadtbereich effizient erhöht werden. Und radfahrende
PolizistInnen sind fürs Publikum greifbarer, sie vermitteln mehr
Sicherheit als zwei «Tschugger» im vorbeifahrenden Streifenwagen. Auch
in den Quartieren sollen die MTBs vermehrt eingesetzt werden.
«Allerdings wollen wir die Beamten nicht zur Benützung der Velos
zwingen. Die eingeteilten Patrouillen können freiwillig wählen, wie sie
unterwegs sein wollen», führt Franz Märki weiter aus. Deshalb gebe es
weder ein Konzept noch eine Statistik für den lautlosen Zweiradeinsatz.
Märki hofft zudem, dass die neue Uniformhose, die in den Schaft der
Stiefel gesteckt werden darf, die Fahrradbenützung beliebter machen
wird. Denn bisher waren der autoritätsuntergrabende Einsatz von
Veloklammern oder schwarze Schmierestreifen am Hosenbein dem Velofahren
in Uniform wenig förderlich.
Das Uniformproblem hat man hingegen
bei den nächtlichen «Krokus»-Einsätzen zur Verhinderung der offenen
Drogenszene im Griff. Diese werden nämlich in den blauen Polizeikombis
und Stiefeln durchgeführt. Für das geräuschlose und schnelle Auftauchen
der Ordnungshüter auf den Drogenumschlagplätzen erwiesen sich die
Mountainbikes geradezu als ideal. Die aufgescheuchte und erschreckte
Szene stiebt auseinander, und mancher Dealer muss atemlos auf seiner
Flucht kapitulieren – wie im «Räuber und Poli»-Spiel.
Testfahrten mit Flyern
Wenig
erstaunlich ist deshalb, dass die Burgdorfer BK-Tech bei der Berner
Stadtpolizei auf offene Ohren stiess, als sie vorschlug, einmal
unverbindlich den Einsatz von der modernen Elektrobikes im Dienstalltag
zu testen. Im April präsentierten die Polizisten an ihrem Stand an der
BEA-Messe einen Polizei-Flyer – samt Beschriftung und Ausrüstung. Für
Hans-Martin Baumann, der als Leiter des Beratungsdienstes
Verkehrssicherheit den Messe-Auftritt betreute, ist das auffällige
Vehikel vorerst ein Blickfang fürs Publikum. Zusammen mit einem
Polizei-Smart repräsentiert es das moderne, trendige Erscheinungsbild
der städtischen Sicherheitstruppe. Aber Baumann kann sich durchaus
weitere Einsatzmöglichkeiten vorstellen: «Gerade für Dienstfahrten
innerhalb der Stadt, zum Beispiel für den Transport von Gerichts- und
anderen Akten, könnte sich das Elektrovelo eignen. Auch für
Patrouillenfahrten sind die Flyers attraktiv, da die Fahrzeuge die
gewünschte Aufmerksamkeit erregen.» Seit Anfang Mai stehen den Berner
«Freunden und Helfern» nun die ersten Elektrovelos für eine
mehrmonatige Testphase zur Verfügung. Ob sie nachher definitiv zum
festen Inventar der Berner Stadtpolizei gehören werden, wird sich
weisen.