Vom Auto aufs Velo umsteigen

Wie gelingt der Umstieg vom Auto aufs Fahrrad am besten? Dr. V. Love gibt Tipps zum Leben auf zwei Rädern.

Dr. V. Love, Velosoph (dr.v.love@velojournal.ch)
VLove, 17.11.2023

In den letzten 35 Jahren war ich fast ausschliesslich mit dem Auto unterwegs. Jetzt, nach der Pensionierung, möchte ich gerne etwas für meine Fitness und die Umwelt tun und überlege mir, regelmässig das Velo zu nutzen, um beispielsweise zum Markt zu fahren oder Freundinnen in der Stadt zu treffen. Ich bin allerdings unsicher, was ich dafür alles brauche. Gibt es ein gutes Einsteigervelo? Und haben Sie Tipps für eine Veloanfängerin?

Ursula N., Winterthur

Liebe Frau Nater

Ich ziehe mein Velo-Cap vor Ihnen und gratuliere: zur Pensionierung und vor allem zu Ihrer grossartigen Idee, diese Zäsur zum Anlass zu nehmen, aufs Velo umzusteigen – besser spät als gar nie! 

Sie haben auch Glück. Winterthur, die gemütliche Halbmetropole in Zürichs Windschatten, passt optimal für ein solches Vorhaben: Die Stadt ist grösstenteils angenehm flach, das Netz der Velowege und die Priorisierung des Fahrradverkehrs sind für Schweizer Verhältnisse ausgezeichnet. Also nix wie los. Einsteigervelo? Ha! Dass es so etwas braucht, ist nicht mehr als eine Halluzination des spätkapitalistischen Velohandels. 

Steigen Sie in den Keller, wecken Sie eines der dort spinnwebenverhangen vor sich her gammelnden Zweiräder aus seinem dornröschenhaften Schlaf, und bringen Sie es zu einem Velomech in Ihrer Nachbarschaft: Er möge es wieder fahrtüchtig machen und auf Ihre Körpermasse anpassen. 

Danach beginnt er, der Spass. Drehen Sie ein paar Runden um Ihren Block, und Sie werden sehen: Man verlernt es nicht. Anfangs am schönsten sind Fahrten durch ruhigere Quartiere. Nehmen Sie es gemütlich, entdecken Sie neue hübsche Ecken in Ihrer Stadt.

Im Nu wird ein superangenehmes Gefühl allgemeiner Entschleunigung Sie ein bisschen süchtig machen. Zumal Sie quasi en roulant etwas für Ihr körperliches Wohlbefinden tun und dem Klima nicht zusätzlich übel mitspielen.

Spätestens wenn Sie dann zu Rushhour-Zeiten auf den Hauptverkehrsachsen gemütlich rechts an stehenden Blechkistenkolonnen vorbeirollen, werden Sie mit mittelgrossem Schaudern und Kopfschütteln an Ihre Autophase zurückdenken. 

Ach ja: Nach etwa einem Jahr können Sie dann auch die Stützrädli links und rechts abmontieren. Et voilà. That’s how we roll.

Mit bizyklären Grüssen winkt Richtung Win-Town: Ihr Dr. V. Love