25.01.2012

Letzte Woche machte ein Vorschlag aus dem Zürcher Kreis 5 die Medienrunde: Verschiedene Organisationen, zuvorderst die Vereinigung «Kulturmeile Zürich-West», die aus Grundeigentümern, Anwohnern und Gewerbetreibenden besteht, fordern einen «Velohighway». Horch, horch: Auch Gewerbetreibende und Grundeigentümer haben inzwischen solche Anliegen! Sie schliessen sich den Grünen an, die einen solchen Vorstoss im Parlament vorgebracht haben. Pro Velo verlangt Velo-Schnellstassen auch durch das Sihltal, das Glatttal und bis tief in die Aargauer Agglo, nach Wettingen und Baden.

Für die NZZ, die sich ansonsten meist zu Recht für ihre Besonnenheit und sorgfältige Recherchen rühmt, fasste diese Vorstösse letzten Samstag unter dem Titel «Fröhliche Fahrt ins Verkehrschaos» zusammen. Da wird dem rot-grünen Zürcher Stadtrat einmal mehr vorgeworfen, «dass er kaum eine Gelegenheit auslässt, dem Autoverkehr Hindernisse in den Weg zu stellen». Als Begründung wird die im September vom Volk angenommen Umverkehr-Initiative angeführt, die gemäss NZZ auch zu einem «Angriff auf den historischen Parkplatzkompromiss» führen werde. Und eben der erwähnte Velohighway, dessen Idee nun ganz von Pro Velo stammen soll.
Geflissentlich wird unterschlagen, dass der Stadtrat «gegen» die Umverkehr-Initiative war und die Velohighway-Idee von unabhängigen Organisationen aus Anwohner- und Gewerbekreisen stammt. Es ist nicht das erste Mal, dass die «alte Tante von der Falkenstrasse» in der Lokalpolitik längst tot geglaubte Feindbilder wiederbelebt. Kürzlich erfolgte das gleiche rot-grüne Bashing beim Thema Steuersenkung, obwohl sich gerade die «bürgerliche» Regierungsratsmehrheit aus Budgetgründen gegen eine Steuersenkung aussprechen musste. Die Realität ist halt oft etwas komplizierter als holzschnittartig gefertigte Ideologien.
Von mir aus darf die NZZ beim Verkehr weiterhin fröhlich zum Halali blasen, solange sie sich an die Fakten hält. Der Griff in die ideologische Mottenkiste bei ihrem Stammthema Wirtschaft und Steuern ist hingegen doch etwas peinlich. Da könnten sich die Lokaljournalisten vielleicht etwas Know-how bei ihren Auslandkollegen abholen. Oder heiligt der Zweck wieder einmal die Mittel?
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